Mi Stadt - Gedicht von Hans Hauser *

 

Mi Stadt

 

Me mont, en Hafner häb si draiht,

e greani Borte n um si glait

und vu de Schiibe suuber trennt.

Im besten Ofe zwoemol brennt, die

e Schale, ghiiflet bis an Rand,

so Hit si doo im Loem und Sand.

En Goldscmiid häb si drii veguckt

und Edelstoa dri n ini druckt.

G‘ringsumme, ells de Mure noo,

stond isri Klöster trutzig doo,

es loehnet jedes am e Doer

und bättet und hellt d‘Händ devor.

Koe Huus veschlupfet hinter d´Muur,

de Dachstuehl schächet drüber dur,

und über d‘Gibel hoh is Blau

stiigts Münster isre liebe Frau,

wacht über Wetter, Füür und Find

und segnet Burger, Gest und Gsind.

Es gucket fast us jedem Huus

en Uusstoß wunderfitzig rus,

und s‘ka si jeder seahne lau.

Doh hond si ihren Vortel au:

Me isch dehom und gruebet us,

und ‘s kunnt om anneweag nint us.

Zum Dach rus strecket d‘Gaupe d‘Häls,

was schluckte Obede nit ells!

Und zinslets ime Schöpfli z‘nacht,

gend uff die koebe Buebe n acht,

es Kräch isch gschtampft voll Heu und Strauh,

si sottet s‘ rauche bliibe lau!

Und gassenab und gassenuff

wer zellt die Brunnen elli uff.

Londs stauh! Word au koe Veah meh tränkt,

die het is iser Herrgett gschenkt.

Und wer am Dag nit uff sie acht,

der hört si ruusche n ide Nacht.

Im Koern und Haber uff de Boor

mit Heckerose n i de Hoor,

im Sdilehebiuest an eile Roa

und Silberdistle zwischet Stoa,

do hit si, mitten im Sunneschii,

si kinnt nit schäner gmodlet si!

* gesprochen von Hermann Tritschler (1921 - 2001)

(veröffentlicht im Rahmen einer Feierstunde anläßlich des 4. Todestags von Hans Hauser am 4. März 1995 im Münsterzentrum Villingen durch den Initiator des Tonträgerprojekts, Edgar H. Tritschler

Villingen die Zähringerstadt Foto: Thomas Herzog-Singer
Villingen die Zähringerstadt Foto: Thomas Herzog-Singer